Tendovaginitis – Sehnenscheidenentzündung auskurieren

Arbeit am Computer, immer gleiche Bewegungen beim Sport oder stundenlange Gartenarbeit – all das kann zu einer Sehnenscheidenentzündung führen. Wer die Schmerzen ignoriert, riskiert einen chronischen Verlauf.

Das Handgelenk tut weh, der Schmerz zieht in den Unterarm, an das Schreiben der nächsten Arbeit ist nicht zu denken. Die Diagnose lautet dann häufig Sehnenscheidenentzündung, lateinisch Tendovaginitis. Verursacht wird sie meist durch mechanische Überbelastung. Ist die Sehnenscheide entzündet, muss sie entlastet werden. Sonst drohen bleibende Schäden.

Neben Schreibkräften und Menschen, die am Computer arbeiten, sind Musiker und Sportler häufig betroffen. Auch wer ungewohnte Tätigkeiten wie plötzlich sehr viel Gartenarbeit erledigt, kann sich eine Sehnenscheidenentzündung zuziehen. „Sie entsteht durch zu hohe Belastung für zu schwache Muskeln“, fasst René Conrads, Orthopäde in Köln, das Problem zusammen. Sehnen verbinden Muskeln mit Knochen. An besonders stark beanspruchten Stellen verlaufen sie in Hüllen, sogenannten Sehnenscheiden. Sie sind mit einer Gelenkschmiere ausgestattet, in der die Sehne gut hin und her gleiten kann. Reibt sie zu stark an der Hülle, entzündet sich diese.

In Praxis wird häufig nach der PECH-Regel behandelt. Das P steht für Pause. Das Gelenk muss geschont und die Belastung eingestellt werden. Das E stehe für Eis, denn mäßiges Kühlen (3×10 Minuten) lässt Schwellungen zurückgehen. C steht für Kompression und H für hochlegen. Zusätzlich können entzündungshemmende Salben aufgetragen werden, die der Patient vorher ins Eisfach legen kann. Auch entzündungshemmende Tabletten der COX-1- oder COX-2-Gruppe werden manchmal verschrieben.

Am besten warten Patienten gar nicht erst, bis die Sehnenscheide richtig entzündet ist. Treten Druckschmerz oder Schwellungen auf, sollte man das immer abklären lassen. Denn: Ignoriert man den Schmerz, droht er chronisch zu werden.

Gegen die Schmerzen hilft manchem auch eine besondere Massage-Technik, die sogenannte Querfriktion. Dabei wird die verhärtete Sehne weichgeknetet. Die Prozedur ist allerdings selbst unangenehm. Auch Akupunktur ist ein beliebtes Mittel. Zu Anfang sollten die Nadeln zwei Mal pro Woche gesetzt werden, erklärt Heilpraktiker Andreas Noll aus München. „Je nach Dauer der Beschwerden und nach individuell unterschiedlicher Reaktionsfähigkeit muss mit 10 Sitzungen gerechnet werden – oder etwas mehr.“

Damit die Sehnen gar nicht erst überlastet werden, achtet, wer am Schreibtisch arbeitet, am besten immer auf eine gute Haltung: Die Tastatur sollte möglichst tief liegen, das Handgelenk in Höhe des Ellenbogengelenks, erklärt Grifka. Sportler sollten ihr Training nur langsam steigern. Orthopäde Eichhorn, der auch Vorsitzender des Deutschen Orthopäden Verbandes ist, empfiehlt zudem, den Körper zum Beispiel beim Yoga oder Pilates regelmäßig zu dehnen. Musiker profitieren von längeren Aufwärmübungen. Die fleißigen Mädchen aus Eichhorns Praxis sind meist nach kurzer Schonung fit für ihre nächste Klassenarbeit. Sie müssen aber eine Pause einlegen, wenn die Hand sich verkrampft. Monotone Tätigkeiten unterbrechen oder die Hand ausschütteln – so einfach ist Vorbeugen.

(Quelle: Stefanie Maeck, dpa, Foto: Pics.de)